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Roter Hunger - Stalins Krieg gegen die Ukraine

Infolge der Stalin'schen Zwangskollektivierung der Landwirtschaft - klar verbunden mit Russifizierung - starben 1932 und 1933 fast vier Millionen Ukrainer:innen an Hunger. Im ukrainischen Bewusstsein ist dieser Massenmord als Holodomor verankert. Russland weist bis heute die Verantwortung dafür zurück, und nur wenige Länder, darunter Australien, Polen und Portugal, sprechen von Genozid. Der damalige Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, SPD, nannte den Holodomor 2019 auf eine Petition hin zwar "grauenvoll", eine "Katastrophe" (Katastrophen haben in der Regel keine böswilligen Verursacher), wollte aber keinesfalls von einem Völkermord sprechen - denn dieser Rechtsbegriff existiere erst seit 1948. Was Deutschland 2016 nicht daran gehindert hatte, den osmanischen Völkermord an den Armeniern aus dem Jahr 1915 anzuerkennen. Ach ja. Es werden sich noch einige Politiker:innen aller Fraktionen hinterfragen müssen.

Wer sich in die russisch-ukrainische Geschichte einlesen möchte, dem seien die Sachbücher von Anne Applebaum ans Herz gelegt, einer US-amerikanischen Journalistin und Historikerin, die wichtige Sachbücher über Osteuropa veröffentlicht hat. Sie lebt mit ihrer Familie in Polen. 2019 erschien ihr preisgekröntes Buch "Red Famine" über den Holodomor auf Deutsch. Wir bestellen es.

Anne Applebaum
Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine
Mit zahlreichen Abbildungen (Leseprobe)
Siedler Verlag, Hardcover
36 Euro